Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus kann nie unpolitisch sein
12. März 2026
Der 27. Januar ist ein staatlicher Gedenktag, der 1996 eingeführt wurde und den Opfern des Nationalsozialismus gewidmet ist. In Strausberg wurde dieser 27. Januar, ebenso wie das Pogromnacht-Gedenken am 9. November durch die Bürgermeisterin organisiert und auf deren Bitte hin seit vielen Jahren durch den Kreisverband der VVN-BdA Märkisch Oderland (MOL) inhaltlich gestaltet. Die Bürgermeisterin fand dafür immer lobende Worte und war uns als VVN Kreisverband dankbar für die vorgetragenen Inhalte, die jeder dieser Veranstaltungen einen würdigen Rahmen verliehen.
Das änderte sich aber am 27. Januar 2025, weil da die AfD-Fraktion der Strausberger Stadtverordnetenversammlung erstmalig der Einladung der Bürgermeisterin, die wie immer an alle Stadtverordneten gerichtet wurde, folgte und mit einigen Stadtverordneten dem Gedenken beiwohnten. Es kam während der Veranstaltung zu verbalen Störungen und Pöbeleien gegen unseren Gedenkredner und die von ihm vorgetragenen Inhalte. Diese Provokation, die von der Bürgermeisterin als Veranstalterin mit Hausrecht nicht verhindert wurde, gipfelte nach Beendigung des Gedenkens in einer Bedrohung unserer Mitglieder durch einen AfD-Stadtverordneten mit einem Messer. Die Aufarbeitung dieses unglaublichen Vorfalls zeigte in der Folge ein gespaltenes Verständnis von Gedenkkultur der in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen Parteien und Wählervereinigungen. Der allgemeine Tenor war: Die Störung der Gedenkveranstaltung durch AfD-Mitglieder wurde durch unseren Redner provoziert, weil dieser es „gewagt“ hatte, Aussagen zur Gedenkkultur in den Wahlprogrammen der im Bundestag vertretenen Parteien, als auch die der AfD, zu zitieren. Mit ihren eigenen Aussagen konfrontiert, fühlte sich die Strausberger AfD-Fraktion so provoziert, dass es zu den unsäglichen verbalen Angriffen gegen unseren Gedenkredner kam. Dieser Auffassung schlossen sich in einer Stadtverordnetenversammlung im Februar bedauerlicherweise Vertreter verschiedener Parteien und Wählervereinigungen an, die uns als VVN „Missbrauch einer Gedenkveranstaltung für politische Propaganda“ vorwarfen. Nur wenige Stadtverordnete widersprachen dieser Einschätzung, was uns sehr bedenklich stimmte. Der Kreisvorstand analysierte die Situation und kam zu der Schlussfolgerung, dass eine Zusammenarbeit mit der Stadt Strausberg zur Gestaltung von antifaschistischen Gedenken richtig und notwendig ist, um die demokratisch und antifaschistisch eingestellten Kräfte der Strausberger Stadtgesellschaft im Gedenken an die Opfer des Faschismus auch zukünftig zu vereinen. Dieser Einschätzung folgend, boten wir der Bürgermeisterin frühzeitig an, sowohl das Pogromnachtgedenken, als auch den Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus in Zusammenarbeit mit der Stadt zu organisieren. Diese Angebote wurden beide ignoriert. Das führte letztendlich dazu, dass am 9. November zwei getrennte Veranstaltungen stattfanden und dass am 27. Januar die Bürgermeisterin allein ein stilles Gedenken am OdF-Gedenkstein durchführte. Dazu ließ sie gegenüber der Märkischen Oderzeitung erklären, dass sie diese Form gewählt habe, „um den Opfern in würdiger und zurückhaltender Form zu gedenken und die Erinnerung bewusst frei von politischen Zuschreibungen zu halten.“ Ungeachtet dessen fand unsere Veranstaltung ein breites mediales Echo und ein ungebrochenes Interesse der Strausberger Stadtgesellschaft. – Oh ja, das ist doch mal eine Ansage der Bürgermeisterin bezüglich ihrer Lobeshymnen und Danksagungen an die VVN, die ihr über viele Jahre ihre Veranstaltungen inhaltlich gestaltet – ja , aus der politischen Belanglosigkeit herausgeholt hatten. Aber da liegt sie im Trend. Das passt gut zur „Vogelschiss“-Aussage von Gauland und zu Höckes „Denkmal der Schande“. So ein Verhalten ist symptomatisch für diese Zeit, in der die AfD immer stärker wird und viele glauben, sich mit ihr arrangieren zu müssen oder wenigstens nach dem Munde zu reden. Das werden wir nie tun! Für uns gibt es keine Zusammenarbeit mit der AfD, nicht in der Kommunalpolitik und schon gar nicht beim antifaschistischen Gedenken. Genau so wenig wie es unpolitisches Gedenken an die Opfer des Faschismus gibt, dem auch in kommunalpolitischen Kreisen in Strausberg das Wort geredet wird. Das Vermächtnis der Opfer des Faschismus, dokumentiert im Schwur der Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald, macht es für uns zur Pflicht, alles zu tun, damit sich diese Verbrechen nicht wiederholen können. Und zu dieser Pflicht gehört es in erster Linie, die Ursachen für diese schändliche Entwicklung aufzuzeigen, beginnend mit der Weimarer Republik der 30er Jahre und die Parallelen in der Bundesrepublik der Gegenwart. Unpolitisch kann man der Opfer von nicht zu verhindernden Naturkatastrophen, wie Erdbeben und Vulkanausbrüchen gedenken. (Und selbst dieses Gedenken kann zu Politikum werden, wenn man dabei beim Witze machen gefilmt wird.) Aber niemals kann es ein unpolitisches Gedenken an die Opfer des Faschismus, einer von Menschen bewusst herbeigeführten Katastrophe, geben. Dafür standen wir ein, stehen wir ein und werden wir als VVN-BdA MOL auch zukünftig einstehen.


