Gedenkveranstaltung am 27. Januar 2026

3. Januar 2026

Im Mittelpunkt der diesjährigen Gedenkveranstaltung stehen die Lebensgeschichten zweier Mädchen, die Opfer der nationalsozialistischen Fürsorgeerziehung wurden und zeitweise im Landesjugendheim Strausberg untergebracht waren. Ihre Schicksale zeigen exemplarisch, wie das NS-Regime Kinder und Jugendliche verfolgte, die sich nicht in die „Volksgemeinschaft“ fügten.

Das Landesjugendheim in der Wriezener Straße 28e diente von 1927 bis 1945 als Einrichtung für Jugendliche, die von staatlichen Stellen als „verwahrlost“ oder „unerziehbar“ abgestempelt wurden. Die nationalsozialistische Fürsorge war Instrument einer menschenverachtenden Erziehungs- und Verfolgungspolitik. Junge Menschen, die Formen von Protest, Widerspruch oder sexueller Selbstbestimmung zeigten, wurden unter erzieherischer Aufsicht zur Zwangsarbeit in Schneiderwerkstätten gezwungen. Sie waren schlecht versorgt und erlitten tägliche Demütigungen.

Jugendliche mit „schlechten Anpassungsprognosen“ wurden zur psychiatrischen Begutachtung in die Landesanstalt Görden in Brandenburg an der Havel überstellt. Viele Mädchen endeten ab 1942 mit dem Urteil der „staatlichen Bewahrung“ im Jugend-KZ Uckermark beim Frauen-KZ Ravensbrück – einem Konzentrationslager für Minderjährige, in dem sie Gewalt, Zwangsarbeit und Folter ausgesetzt waren. Einrichtungen der Fürsorge, der Psychiatrie und der Kriminalpolizei arbeiteten dabei eng zusammen und bildeten ein perfides System der Verfolgung Jugendlicher.

Die Biographien wurden von der RAA-Geschichtswerkstatt zeitlupe e.V. recherchiert.

Zusätzlich zur Gedenkveranstaltung ruft Die Linke am 27. Januar zum Stolperstein-Putzen auf. Treffpunkt ist um 14:45 Uhr an der Sparkasse am Landsberger Tor.